Pädagogik2020-04-01T10:06:28+00:00

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Hörbeeinträchtigung trennt – Hörfrühförderung verbindet

Neben der technischen Hörversorgung und den therapeutischen Maßnahmen ist eine umfassende kontinuierliche Förderung aus dem pädagogischen Bereich unbedingt zu empfehlen. Pädagogische und sprachheilpädagogische Frühförderung oder Audiopädagogik gehören ebenso dazu wie die Vielzahl an Fördermöglichkeiten, die sich zu Hause und im Alltag anbieten.
Frühförderung bietet speziell für Babys und Kleinkinder eine ideale Möglichkeit – meist im Beisein eines oder beider Elternteile – spielerisch zu trainieren und zu betreuen. Damit können eventuell bestehende Entwicklungsverzögerungen bereits vor einer eventuell geplanten Hörimplantation aufgeholt und sogar ausgeglichen werden.
Hier finden Sie wertvolle Tipps, wie Sie Ihr Kind durch professionelle Betreuung, aber vor allem im Alltag selbst optimal fördern können!

Inhaltsverzeichnis

Hörfrühförderung

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen – Wurzel und Flügel.“
Johann Wolfgang von Goethe

Durch frühe audiopädagogische Frühförderung und interdisziplinäre Zusammenarbeit wird eine Teilhabe Ihres hörgeschädigten Kindes am Leben in der Gesellschaft möglich. Die Hörfrühförderung hat zum Ziel, die Kompetenzen von betroffenen Kindern und deren Eltern zu fördern. Wenn ein Kind mit den Eltern, Geschwistern, Großeltern nicht kommunizieren kann, fühlt es sich fremd in der eigenen Familie. Die Stärkung der kommunikativen Kompetenz, die Integration des Hörens sowie eine ganzheitliche entwicklungspädagogische Förderung sind die großen Ziele in der Frühförderung.

Das Einbinden der Familie gehört unbedingt dazu, Sie als Eltern sind die wichtigsten Partner in der gemeinsamen Arbeit mit Ihrem Kind. Meist besuchen die Hörfrühförderer die Familien in ihrer häuslichen Umgebung, zusätzlich beraten und begleiten sie bei der Auswahl des Kindergartens und gehen zu spezifischen Terminen mit.

Regelmäßige Treffs , bei denen sich Eltern austauschen können, werden ebefalls vierelorts angeboten, die Kinder haben dort die Möglichkeit, in der Gruppe mit anderen hörbeeinträchtgten Kindern zu spielen.

Mit den Fachleuten aus den Bereichen Medizin und Therapie wird vonseiten der Pädagogen ebenfalls intensiv kooperiert, es werden gemeinsame Ziele festgesetzt, deren Einhaltung der Qualitätssicherung in der Frühintervention und schließlich einem Erfolg in der Entwicklung Ihres Kindes dienen.

Hier finden Sie Institutionen in Ihrem Bundesland, die Frühförderung anbieten!

AEH2020-03-10T14:26:31+00:00
ARGE Frühförderung Tirol2020-03-10T14:37:08+00:00
BIG – Schulzentrum für hörbeeinträchtigte, gehörlose, AVWS und hörende Kinder2020-03-10T09:40:39+00:00
Chance B2020-03-10T11:42:53+00:00
Fonds Soziales Wien2020-03-10T10:00:24+00:00
Hilfswerk NÖ2020-03-10T11:20:08+00:00
Institut für Sinnes- und Sprachneurologie2020-03-10T11:40:34+00:00
Landeszentrum für Hör- und Sehbildung2020-03-10T14:33:22+00:00
Landeszentrum für Hör- und Sprachbildung2020-03-10T11:41:40+00:00
Lebenshilfe NÖ2020-03-10T11:21:30+00:00
Lebenshilfe Tirol2020-03-10T14:37:31+00:00
LZH – Vorarlberger Landeszentrum für Hörgeschädigte2020-03-10T14:38:18+00:00
MFZ Steingruber2020-03-10T11:43:29+00:00
ÖHTB – Österreichisches Hilfswerk für Taubblinde und hochgradig Hör- und Sehbehinderte2020-03-10T09:59:59+00:00
Rettet das Kind2020-03-10T14:25:49+00:00
Verein Hilfe zur Selbsthilfe2020-03-10T14:23:02+00:00
Zentrum für Hör- und Sprachpädagogik Mils2020-03-10T14:32:12+00:00

Ich glaube, dass Erziehung
Liebe zum Ziel haben muss.

Astrid Lindgren

„Ich glaube, dass Erziehung Liebe zum Ziel haben muss.“

Astrid Lindgren

Checkliste für den Alltag in der Familie

Hören entdecken

  • Machen Sie Ihr Kind auf alle Geräusche aufmerksam, die Sie hören. Probieren Sie diese zu beschreiben. Ob zu Hause, im Tiergarten oder am Spielplatz – wir sind umgeben von unzähligen Geräuschen und Klängen.
  • Arbeiten Sie viel mit Musik, denn sie vermittelt Lebensfreude und wirkt sich positiv auf die Hör- und Sprachentwicklung aus. Je nach Altersgruppe gibt es eine Vielzahl an Materialien, die die Entwicklung der Musikwahrnehmung zusätzlich unterstützen.
  • Sollte Ihr Kind das Tragen des Audioprozessors wiederholt ablehnen, könnte das Gründe haben, die sich schnell beheben lassen: Achten Sie beispielsweise bei den Fittingterminen darauf, dass die aktuelle Einstellung von Ihrem Kind als angenehm empfunden wird. Eventuell könnte auch der Magnet des Audioprozessors zu stark gewählt sein und eine unangenehme Druckstelle erzeugen. Fazit ist jedenfalls – bei guter Anpassung des Audioprozessors und den richtigen Rahmenbedingungen erkennt Ihr Kind auf jeden Fall den Gewinn, den es aus dem neuen Hören ziehen wird.

Von Sprache umgeben

  • Bitte „verstummen“ Sie nicht, weil Sie der Meinung sind, Ihr Kind könne Sie nicht hören. Ganz im Gegenteil – sprechen Sie mit Ihrem hörgeschädigten Kind, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als wenn es normalhörend wäre.
  • Verändern Sie nicht die Natürlichkeit Ihrer Sprache – ob Sie flüstern, in normaler Lautstärke sprechen oder singen.
  • Umgekehrt achten Sie auf alle Laute und sprachlichen Äußerungen, die Ihr Kind tätigt. Es soll die Wirkung seiner Sprache als Kommunikationsmittel begreifen.
  • Teilen Sie Erlebtes, Tätigkeiten etc. sprachlich mit Ihrem Kind. Vergessen Sie dabei nicht, eventuell von Ihrem Kind nicht Gehörtes besonders zu veranschaulichen.
  • Für Familien mit Migrationshintergrund: versuchen Sie, wenn möglich, beide Sprachen anzubieten – die Muttersprache sowie die Landessprache. Denn jedes Kind, auch wenn es eine technische Hörlösung benötigt, kann mehrere Sprachen erlernen.
  • Halten Sie Erlebnisse Ihres Kindes in einem Tagebuch fest, auf das Sie jederzeit zurückgreifen können. Mit Bildern, selbst Gezeichnetem und auch Schrift kann Ihr Kind sein Tagebuch jemand anderem zeigen und damit das Erlebte erzählen, auch wenn die Sprache aufgrund der Hörbeeinträchtigung vielleicht noch etwas nachhinkt. Abgesehen davon wird das Tagebuch später eine wundervolle Erinnerung an die ersten Lebensjahre sein.
  • Spielen Sie Rollenspiele mit Ihrem Kind! Das fördert unter anderem seine Kompetenz, sich in andere Menschen hinein zu fühlen. Es spielt sich sozusagen „in die Welt des Gegenübers hinein“ und sieht und fühlt die Welt mit anderen Augen.
  • Erweitern Sie die „Bibliothek“ Ihres Kindes und nehmen Sie sich gemeinsam Zeit zum (Vor-)lesen. Man kann nie zu viele Bücher im Haus haben und Bilderbücher mit altersgerechten und lernfördernden Inhalten gehören von Anfang an dazu.
  • Singen Sie vor Ihrem Kind, so oft Sie können! Und seien Sie nicht allzu überrascht, wenn Ihr Kind eines Tages versucht, Sie nachzuahmen. Das könnte einer der großen Momente in den ersten Jahren des Hörens werden.
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Einen passenden Artikel dazu finden Sie in der Onlineausgabe der Gehört.Gelesen

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Notwendige Checks

  • Überprüfen Sie täglich die Funktionstüchtigkeit des Hörsystems Ihres Kindes, da es selbst vielleicht noch nicht rechtzeitig auf einen Defekt aufmerksam machen kann.
  • Lassen Sie die Hörleistung Ihres Kindes mittels einer Hörprüfung – meist beim Logopäden – regelmäßig überprüfen.
  • Nehmen Sie regelmäßige Wartungstermine beim Pädakustiker bzw. Service-Team des Hörsystem-Herstellers wahr.

Liebevoll betrachtet

  • Fördern Sie die Kreativität und Eigenaktivität Ihres Kindes; so kann es sich selbst besser erfahren.
  • Pflegen Sie und Ihr Kind regelmäßigen Kontakt zu anderen Familien oder Hörgeschädigten selbst, bei denen Hörbeeinträchtigung ein Thema ist. Durch sie öffnen sich für Sie neue Wege der Akzeptanz.
  • Vergessen Sie nie auf die liebevolle Zuwendung, speziell direkten Körperkontakt. Ihr Kind erhält dadurch Gewissheit Ihrer Liebe und Zuneigung.
  • Verlieren Sie nie den Mut, bleiben Sie geduldig, falls Ihr Kind die von Ihnen erwünschten Fortschritte noch nicht macht.
  • Denken Sie daran: Ihr Kind kann Gleichwertiges leisten wie ein hörendes, manches sogar besser, wenn Sie ihm die Chance dazu geben!
  • Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit für sich selbst, damit Sie wieder Kraft tanken können für den Alltag mit Ihrer Familie.
  • Bitte vergleichen Sie Ihr Kind nicht mit dem Können anderer gleichaltriger hörgeschädigter Kinder. Durch die unterschiedlichen Lebensstrukturen entwickelt sich jedes betroffene Kind auf seine Art und in seinem Tempo.
  • Versuchen Sie Ihr Kind nicht anders zu behandeln als hörende Kinder. Auch Ihr hörbeeinträchtigtes Kind braucht klare Regeln und Grenzen, um seine eigenen Bedürfnisse angemessen wahrnehmen zu können und sich im familiären Umfeld sicher zu fühlen.
  • Und bitte verlieren Sie niemals aus den Augen: Sie haben nicht nur eine schwierige und anspruchsvolle Aufgabe übernommen, sondern auch ein wunderbares Ziel vor sich: Sie dürfen Ihr Kind auf dem Weg zum Hören und damit in ein normales, selbstbestimmtes Leben begleiten.
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Eine ganz besondere Geschichte zum Thema finden Sie in der Onlineausgabe der Gehört.Gelesen

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Kontakte

Persönlicher Kontakt zu Betroffenen

Die Möglichkeit, mit anderen Familien und Nutzern direkt in Kontakt zu treten, ist gerade am Anfang dieser besonderen Reise mit Ihrem Kind unermesslich wichtig für betroffene Eltern. Hier finden Sie persönliche Kontakte, die sich gerne für unsere Website als Berater und zum Erfahrungsaustausch zur Verfügung gestellt haben – denn Hören verbindet!