Pädagogik

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Pädagogik

Alles über Entwicklung und Lernen mit Hörbeeinträchtigung

Sprache erlernt ein Kind während des Sammelns von Lebenserfahrung und der Erweiterung seines Weltwissens. Das geschieht in den ersten Lebensjahren im geschützten Familienrahmen, danach im Kindergarten und bis zur Volljährigkeit in der Schule und Ausbildung.

Die Effektivität des Erlernens von Sprache hängt also in einem wesentlichen Maße ab von den von den Erwachsenen bestimmten Rahmenbedingungen. Der Spracherwerb und damit das Erwerben von Erfahrung und Wissen werden umso mehr gelingen, wenn Ihr Kind durch vielfältigste Anregungen aus seiner ihm nahen Umwelt seine Kreativität und all das, was Menschsein ausmacht, ausleben kann.
Wenn das Erlernen von Sprache für Ihr Kind aufgrund einer Hörbeeinträchtigung oder gar Taubheit erschwert ist, ist neben der medizinischen und technischen Versorgung die Förderung durch Sie als Eltern sowie in den pädagogischen Einrichtungen von enormer Bedeutung.

Hier finden Sie wertvolle Tipps, wie Sie Ihr Kind zuhause optimal sprachlich fördern können sowie was bei der Wahl der pädagogischen Einrichtung zu beachten ist!

Inhaltsverzeichnis

Ich glaube, dass Erziehung
Liebe zum Ziel haben muss.

Astrid Lindgren

„Ich glaube, dass Erziehung Liebe zum Ziel haben muss.“

Astrid Lindgren

Checkliste für den Alltag in der Familie

Hören entdecken

  • Machen Sie Ihr Kind auf alle Geräusche aufmerksam, die Sie hören. Probieren Sie diese zu beschreiben. Ob zu Hause, im Tiergarten oder am Spielplatz – wir sind umgeben von unzähligen Geräuschen und Klängen.
  • Arbeiten Sie viel mit Musik, denn sie vermittelt Lebensfreude und wirkt sich positiv auf die Hör- und Sprachentwicklung aus. Je nach Altersgruppe gibt es eine Vielzahl an Materialien, die die Entwicklung der Musikwahrnehmung zusätzlich unterstützen.
  • Sollte Ihr Kind das Tragen des Audioprozessors wiederholt ablehnen, könnte das Gründe haben, die Sie sich ins Bewusstsein rufen sollten bzw. sich schnell beheben lassen: Achten Sie beispielsweise bei den Fittingterminen darauf, dass die aktuelle Einstellung von Ihrem Kind als angenehm empfunden wird. Eventuell könnte auch der Magnet des Audioprozessors zu stark gewählt sein und eine unangenehme Druckstelle erzeugen. Oftmals spüren Kinder auch den Erfolgsdruck der Eltern oder benutzen umgekehrt das Ablehnen als Druckmittel gegen die Eltern. Fazit ist jedenfalls – bei guter Anpassung des Audioprozessors und den richtigen Rahmenbedingungen erkennt Ihr Kind auf jeden Fall den Gewinn, den es aus dem neuen Hören ziehen wird.

Von Sprache umgeben

  • Bitte „verstummen“ Sie nicht, weil Sie der Meinung sind, Ihr Kind könne Sie nicht gut genug hören. Ganz im Gegenteil – sprechen Sie mit Ihrem hörgeschädigten Kind, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als wenn es normalhörend wäre.
  • Verändern Sie nicht die Natürlichkeit Ihrer Sprache – ob Sie flüstern, in normaler Lautstärke sprechen oder singen.
  • Umgekehrt achten Sie auf alle Laute und sprachlichen Äußerungen, die Ihr Kind tätigt. Es soll die Wirkung seiner Sprache als Kommunikationsmittel begreifen.
  • Teilen Sie Erlebtes, Tätigkeiten etc. sprachlich mit Ihrem Kind. Vergessen Sie dabei nicht, eventuell von Ihrem Kind nicht Gehörtes besonders zu veranschaulichen.
  • Für Familien mit Migrationshintergrund: versuchen Sie, wenn möglich, beide Sprachen anzubieten – die Muttersprache sowie die Landessprache. Denn jedes Kind, auch wenn es eine technische Hörlösung benötigt, kann mehrere Sprachen erlernen.
  • Halten Sie Erlebnisse Ihres Kindes in einem Tagebuch fest, auf das Sie jederzeit zurückgreifen können. Mit Bildern, selbst Gezeichnetem und auch Schrift kann Ihr Kind sein Tagebuch jemand anderem zeigen und damit das Erlebte erzählen, auch wenn die Sprache aufgrund der Hörbeeinträchtigung vielleicht noch etwas nachhinkt. Abgesehen davon wird das Tagebuch später eine wundervolle Erinnerung an die Kindheit sein.
  • Spielen Sie Rollenspiele mit Ihrem Kind! Das fördert unter anderem seine Kompetenz, sich in andere Menschen hinein zu fühlen. Es spielt sich sozusagen „in die Welt des Gegenübers hinein“ und sieht und fühlt die Welt mit anderen Augen.
  • Erweitern Sie die „Bibliothek“ Ihres Kindes und nehmen Sie sich gemeinsam Zeit zum (Vor-)lesen. Man kann nie zu viele Bücher im Haus haben und Bücher mit altersgerechten und lernfördernden Inhalten gehören von Anfang an dazu.
  • Singen Sie vor Ihrem Kind, so oft Sie können! Und seien Sie nicht allzu überrascht, wenn Ihr Kind eines Tages versucht, Sie nachzuahmen. Das könnte einer der großen Momente in den ersten Jahren des Hörens werden.
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Virtuelles Lernen

Online-Unterricht kommt bei Bedarf bereits in der Volksschule zur Anwendung. Eine optimale Umgebung zuhause sowie die sichere Handhabung der Technik ermöglicht Ihrem Kind eine reibungslose Teilnahme an dieser modernen Unterrichtsform. Mit den folgenden Tipps können Sie Ihrem Kind zum besseren Lernerfolg verhelfen:

  • Wenn möglich, schaffen Sie Ihrem Kind zuhause einen möglichst ruhigen Bereich zum Lernen.
  • Trennen Sie diesen vom Spielbereich oder räumen Sie ihn vor Unterrichtsbeginn von Spielmaterialien.
  • Für eine gute Online-Verbindung empfiehlt sich die Nähe zum WLAN Router.
  • Während des Unterrichts sollten die anderen Familienmitglieder das Internet reduzieren, um Verbindungsstörungen zu vermeiden.
  • Der Bildschirm sollte so groß wie möglich sein, also PC, Laptop oder Tablet verwenden und Handy meiden.
  • Bringen Sie in Erfahrung, welche technischen Möglichkeiten die Audioprozessoren Ihres Kindes bieten, um den Audioausgang des Computers möglichst direkt in das Hörsystem einzukoppeln: Je nach Audioprozessor können Audiokabel, Induktionsschleife oder AudioLink zu deutlich verbesserter Tonqualität und damit entspannterem Zuhören und besseren Verstehen führen.
  • Helfen Sie Ihrem Kind, sich mit den technischen Möglichkeiten jener Online-Plattform vertraut zu machen, die von der Schule genutzt wird, wie z.B.:
    • Wo kann man das Bild des Lehrers größer machen, um das Mundbild gut zu erkennen?
    • Gibt es die Funktion „Untertitel“?

Notwendige Checks

  • Überprüfen Sie täglich die Funktionstüchtigkeit des Hörsystems Ihres Kindes, da es selbst vielleicht noch nicht rechtzeitig auf einen Defekt aufmerksam machen kann.
  • Lassen Sie die Hörleistung Ihres Kindes mittels einer Hörprüfung – meist beim Logopäden – regelmäßig überprüfen.
  • Nehmen Sie regelmäßige Wartungstermine beim Pädakustiker bzw. Service-Team des Hörsystem-Herstellers wahr.

Liebevoll betrachtet

  • Fördern Sie die Kreativität und Eigenaktivität Ihres Kindes; so kann es sich selbst besser erfahren.
  • Pflegen Sie und Ihr Kind regelmäßigen Kontakt zu anderen Familien oder Hörgeschädigten selbst, bei denen Hörbeeinträchtigung ein Thema ist. Durch sie öffnen sich für Sie neue Wege der Akzeptanz.
  • Vergessen Sie nie auf die liebevolle Zuwendung, speziell direkten Körperkontakt. Ihr Kind erhält dadurch Gewissheit Ihrer Liebe und Zuneigung.
  • Verlieren Sie nie den Mut, bleiben Sie geduldig, falls Ihr Kind die von Ihnen erwünschten Fortschritte noch nicht macht.
  • Denken Sie daran: Ihr Kind kann Gleichwertiges leisten wie ein hörendes, manches sogar besser, wenn Sie ihm die Chance dazu geben!
  • Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit für sich selbst, damit Sie wieder Kraft tanken können für den Alltag mit Ihrer Familie.
  • Bitte vergleichen Sie Ihr Kind nicht mit dem Können anderer gleichaltriger hörgeschädigter Kinder. Durch die unterschiedlichen Lebensstrukturen entwickelt sich jedes betroffene Kind auf seine Art und in seinem Tempo.
  • Versuchen Sie Ihr Kind nicht anders zu behandeln als hörende Kinder. Auch Ihr hörbeeinträchtigtes Kind braucht klare Regeln und Grenzen, um seine eigenen Bedürfnisse angemessen wahrnehmen zu können und sich im familiären Umfeld sicher zu fühlen.
  • Und bitte verlieren Sie niemals aus den Augen: Sie haben nicht nur eine schwierige und anspruchsvolle Aufgabe übernommen, sondern auch ein wunderbares Ziel vor sich: Sie dürfen Ihr Kind auf dem Weg zum Hören und damit in ein normales, selbstbestimmtes Leben begleiten.
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Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen
– Wurzel und Flügel.

Johann Wolfgang von Goethe

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen – Wurzel und Flügel.“

Johann Wolfgang von Goethe

Im Kindergarten

Mit dem Kindergarten beginnen neue spannende Jahre für Ihr Kind – gleichzeitig ist es aber auch ein Abschied der Zeit voller Geborgenheit und intensiven Nähe zur Familie.

Das bedeutet eine große Veränderung für alle Beteiligten neben der wichtigen Entscheidung für den optimalen Kindergarten, den Ihr Kind für die nächsten Jahre besuchen wird.

„Eine Kindheit ist kein Wettlauf, wie schnell ein Kind sprechen, lesen oder schreiben kann. Die Kindheit ist ein kleines Zeitfenster zum Lernen und Entwickeln im richtigen Tempo für jedes einzelne Kind.“
Magda Gerber

Die richtige Wahl

Ob die Wahl auf einen Regelkindergarten oder auf eine Kindergarteneinrichtung mit speziell auf Ihr Kind zugeschnittenen pädagogischen Fördermöglichkeiten fällt, hängt von einigen Fragen ab, die sich Eltern bei der Entscheidungsphase stellen sollten:

  • Wie gut hat sich die Hör- und Sprachentwicklung bei meinem Kind entwickelt?
  • Was raten die begleitenden Therapeuten und Hörfrühförderer?
  • Braucht es abseits des Angebots im Kindergarten zusätzliche Förderung?
  • Wenn ja, braucht mein Kind abseits der hörpädagogischen Möglichkeiten weitere Fördermaßnahmen?
  • Welche Kindergärten mit welchen Möglichkeiten gibt es in unserer Wohnnähe, damit mein Kind/die Familie nicht mit langen Fahrzeiten belastet wird?
  • Wie groß ist die Kindergartengruppe des Kindergartens unserer Wahl?
  • Welches pädagogische Konzept setzt der Kindergarten um und können wir uns das für unser Kind vorstellen?
  • Wie hoch sind die monatlichen Kosten?

Wo und ob sich Ihr Kind letztendlich wohlfühlt, hängt aber vor allem von Ihrem Bauchgefühl ab. Neben der Möglichkeit, zusätzlich notwendige pädagogische Förderungsmaßnahmen zu nutzen, ist das eigene Gefühl für den richtigen Kindergartenplatz mindestens ebenso wichtig.

Eine Hörbeeinträchtigung ist übrigens kein Ausschlusskriterium für die Aufnahme in einem öffentlichen oder privaten Regelkindergarten. Bei der Anmeldung Ihres Kindes im Kindergarten sollte offen mit der Hörbeeinträchtigung umgegangen werden, sodass bereits im Vorfeld entsprechende Förderungen beantragt werden können. Kinder mit Hörbeeinträchtigung bekommen dann oftmals Kindergartenpädagogen mit speziellen Ausbildungen (Logopädie, Frühförderung, etc.) zur Seite gestellt. Das sind zum Beispiel mobile FörderInnen, die nicht ständig im Kindergartenbetrieb sind.

Warum der Kindergarten so wichtig ist

Im Kindergarten werden die Kinder schön langsam „groß“, diese Lebensjahre sind neben Ihrer Erziehung von enormer Bedeutung für die optimale Entwicklung Ihres Kindes, auch wenn es keine Beeinträchtigung hätte.

Ein paar Beispiele, warum die Kindergartenzeit einen wichtigen Raum einnimmt im Leben Ihres Kindes:

  • Große und kleine Freunde haben
  • Aufgaben übernehmen
  • Gemeinsame Aufgaben erledigen
  • In andere Rollen schlüpfen
  • Etwas Neues entdecken und staunen
  • Sich in Bildern ausdrücken
  • Zuhören und verstehen
  • Sich in einer Gruppe wohl fühlen
  • Mit allen Sinnen wahrnehmen
  • Mit Gefahren umgehen
  • Etwas wagen
  • Sich anstrengen und damit etwas schaffen
  • Abenteuer erleben
  • Eine Idee haben und sie umsetzen
  • Sich mitteilen können

Sie sehen also, in dieser Zeit werden Schlüsselqualifikationen für das spätere Leben erworben: von zwischenmenschlichen Verhaltensmustern, lernpraktischen Fähigkeiten, ersten Welterkenntnissen bis hin zu wichtigen emotionalen Erfahrungen außerhalb des Familienumfelds.

Damit dies auch für Kinder mit Beeinträchtigung gelingt, gehört die Wahl für den richtigen Kindergarten zu den ganz wichtigen Entscheidungen für Sie als Eltern.

Jedes Kind hat das Recht zu lernen, zu spielen, zu lachen,
zu träumen, zu lieben, anderer Ansicht zu sein,
vorwärts zu kommen und sich zu verwirklichen.

Hall Dennis Report

Jedes Kind hat das Recht zu lernen, zu spielen, zu lachen, zu tr